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Alt 23.03.2018, 06:23
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Halbgott
 
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Zitat von Lord_Data Beitrag anzeigen
Ich glaube, ich weiß nur ungefähr, was du sagen willst, kannst du das nochmal genauer erklären?
In der Ethik gibt es die Universalethik und die situative Ethik.
Universalethik ist grob gesagt Prinzipien, situative Ethik ist das, was man denkt in einer Situation das richtige zu tun ist.
zum Beispiel:
Du siehst in der Stadt einen Obdachlosen und denkst dir, es ist das richtige diesem Obdachlosen sagen wir 5€ zu geben. Deine situative Ethik sagt dir: Gib diesem Obdachlosen Geld.
Du hast aber kein Prinzip, dass du jedem Obdachlosen 5€ gibst.
In der Flüchtlingskrise erkenne ich nur das situative ethische Argument, dass man da Flüchtlinge sieht denen es schlecht geht und diesen helfen will.
Ich frage mich nun, was das universalethische Argument ist, also welche Prinzipien unterliegen dem Handeln der Bundesregierung, wie sie dieses seit dem Beginn der Flüchtlingskrise 2015 getan hat?
Als Privatperson ist es ok herumzugehen und meinetwegen zu sagen, ich geb dem Obdachlosen 5€, dem nächsten 10€ und dem übernächsten gar nichts, so kann eine Regierung aber nicht handeln, weil es in Willkür ausartet.
Da wurden teilweise die Grenzen aufgemacht, dann wieder zu, dann wurden Asylanträge mal blanko in Masse genehmigt, dann wieder Einzelverfahren, dann wurden einige Abgeschoben, andere nicht. Wer aus einem Kriegsgebiet kommt oder nicht spielt keine Rolle, einige werden mit dem Türkeideal abgehalten, andere nicht usw.
Deswegen würde ich sagen ist es völlig verständlich, wenn man als Bürger da steht und sagt: Bevor ich dafür bin, will ich erst mal wissen, was hier überhaupt der Plan ist. Nach welchen Prinzipien wird hier jetzt überhaupt gehandelt, wenn nicht nach geltenden Gesetzen?
Heute stand ja in den Nachrichten, dass nach Umfragen ca. 2/3 aller Afrikaner gedenken in naher Zukunft nach Europa auszuwandern.
Hier muss mal ein klares Signal kommen.
Es kann ja auch kein Zustand sein, das immer nur hin und hergeflüchtet wird.
Meiner Meinung nach haben Afghanistan, Irak, Syrien und Lybien bewiesen, dass es uns als Westen nicht möglich ist stabile Staaten zu schaffen, von daher halte ich dieses: Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen für eine naive Traumvorstellung, wenn wir nicht radikal rekolonialisieren.
Ich denke Tunesien im arabischen Frühling hat gezeigt, wie aus einem Land heraus selbst Besserung entstehen kann. Wenn die unzufriedenen einfach geflohen wären, hätte sich nichts geändert. So hart es ist, denke ich, dass diese Länder ihre eigene Entwicklung, die durchaus auch blutig ist durchmachen müssen.

Letztendlich würde ich aber sagen, dass ich nicht nur ökonomisch argumentiere, ein Argument, dass grundsätzlich für jedwege Masseneinwanderung gilt, was neben meinen Auszügen wesentlich ausführlicher dargestellt bei Milton Friedman nachzulesen ist.
Die anderen Literaturempfehlungen die ich ein paar Posts vorher gab zielen vor allem auf die Struktur der Zuwanderung ab. Sie behandeln wesnetliche kulturelle und sonstige Probleme. Ich garantiere die Titel zu lesen würdest du nicht bereuen und sie bieten durchaus Argumente für beide Seiten.
Thomas Sowell beispielsweise hat mich erst verstehen lassen, wie dieser Gedanke, dass kulturelle Vielfalt einen inherenten Nutzen hat entstehen konnte, den er im Makrokontext der Welt gut darstellt. Im Mikrokontext des einzelnen Staates stimme ich diesem zwar nicht zu, aber ich kann den Gedankengang nachvollziehen wie man diese Hypothese aufstellen kann.
Zum konkreten Fall dieser aktuellen Flüchtlingskrise wär da vieleicht noch "Die Getriebenen" von Robin Alexander zu empfehlen, wenn man das Handeln der einzelnen Politiker nachvollziehen will.
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