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Alt 05.06.2013, 21:51
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Standard Crusader Kings II (Linux, Mac, PC)

Crusader Kings II
Entwickler: Paradox Development Studio
Publisher: Paradox Interactive
Release: 2012

In letzter Zeit habe ich einen gewissen Geschmack für das "Grand Strategy"-Genre erworben. Was würde sich also besser für ein Review eignen als jenes Spiel, womit der ganze Spuk für mich anfing ?

(Kleine Anmerkung: Ich werde in diesem Review auf Screenshots verzichten weil, na ja, wenn ihr ungefähr wisst wie Europa aussieht habt ihr das Meiste schon gesehen )


Story


Als Sandbox-Spiel gibt es hier keine epische Handlung. Man übernimmt einfach die Kontrolle über das jeweilige Oberhaupt einer mittelalterlichen Adelsfamilie und lenkt deren Geschicke über mehrere Generationen bis zum Jahr 1453 (frühester Startzeitpunkt ist dabei 1066). Stirbt der aktuelle Spielercharakter ohne legitimen Nachfolger, endet das Spiel vorzeitig.

Das heißt aber noch lange nicht, dass es keine Handlung gibt - ganz im Gegenteil! Durch die wunderbaren NPC-Interaktionen generiert der Spieler selbst Handlungen, die ihm durchaus lange in Erinnerung bleiben. Man nehme nur mal meine kleine schottische Dynastie als Vorbild:
  • Ich fing als kleiner Herzog an der schottischen Ostküste an, der einem Grafen unterstellt war.
  • Meine Bestrebungen, dem König direkt zu unterstellen, führten zu Spannungen mit besagtem Graf. Der hat aber nicht damit gerechnet, dass ich ihn und die nächsten 4 Nachfolger abmeucheln ließ *muahahahahaa*
  • Endlich dem König unterstellt, nahm meine Königstreue rapide ab als ich feststellte, dass seine Hoheit das Land durch seine Unfähigkeit von einen Bürgerkrieg in den nächsten steuerte.
  • Schließlich habe ich mich mit meinem aktuellen Charakter (der eine Grafschaft geerbt hatte) dazu entschlossen, den König zu stürzen, was mir auch gelang.
  • Um für Stabilität im Königreich zu sorgen, musste ich schweren Herzens eine Tochter samt Nachwuchs ermorden (da besagter Nachwuchs zu einer preußischen Familie gehörte) und eine andere Tochter einsperren lassen (wir verstanden uns nicht sehr gut, und ihr unterstand halb Schottland, was mir ein klein wenig zu viel war). Na ja, immerhin habe ich im hohen Alter endlich männlichen Nachwuchs bekommen
  • Trotz anfänglich großer Unbeliebtheit des neuen Regenten ist Schottland stabiler wie nie und hat nun begonnen, die nördlichsten Gebiete aus norwegischer Hand zu reißen.
  • Die Schleichende Islamisierung ist in meiner Partie alles andere als schleichend: Denen gehört mittlerweile ganz Spanien, halb Frankreich sowie große Teile Italiens - inklusive Rom und der Vatikan. Lol
Das alles hat sich über etwa 4 Generationen erstreckt. Nicht schlecht fürs erste Mal


Gameplay

Am ehesten lässt sich Crusader Kings II mit einem "Total War"-Spiel vergleichen, dass einen deutlich kleineren Fokus auf Kriegsführung setzt, in pausierbarer Echtzeit läuft und deutlich komplexer ist.

Die Karte besteht aus Europa, Nordafrika sowie den Nahen Osten und ist in hunderte von Herzogtümern (bzw. dem regionalen Äquivalent) aufgeteilt. Jedes dieser Herzogtümern wiederum enthält eine Reihe von Burgen, Städten und Klöstern, die allesamt unterschiedliche Mengen an Geld und Truppen liefern. All diese Einrichtungen lassen sich mit Geld und Zeit upgraden oder - sofern das Herzogtum genug Platz bietet - komplett neu errichten (was aber seeehr teuer ist und lange dauert).

Dem Spielercharakter (dem mindestens ein Herzogtum gehört, da Herzog der niedrigste spielbare Rang ist) stehen gleich zu Beginn dutzende von NPCs im Hofstaat zur Verfügung. Die wichtigsten NPCs sind dabei die Ratsmitglieder (z.B. Heerführer und Diplomat), die wichtige Aufgaben in eigenen (z.B. Buff auf die Einnahmen) oder fremden Ländereien (z.B. Spionage) durchführen können.

Jeder NPC (und natürlich auch der Spielercharakter) besitzt eigene Ziele sowie eine Reihe von Statuswerten sowie positive und negative Merkmale, die zusammen mit vergangen Ereignissen bestimmen, wer wen wie gut mag bzw. hasst (die genauen Boni und Mali werden netterweise angezeigt), was für interessante Dynamiken sorgt.

Wer Macht hat, möchte natürlich gerne noch mehr Macht haben. Hier macht das Spiel geradezu süchtig: Man kann Stunden damit verbringen, gegen Feinde zu intrigieren (sogar mit Komplizen!) und seine Erben strategisch klug zu verheiraten, um schließlich beim Generationswechsel mit mehr Ländereien und vielleicht sogar einen höheren Titel dazustehen. Aufgelockert wird das ganze durch RPG-hafte Ereignisse mit verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten.
Aber mit großer Macht kommen auch große Probleme: Die Untergebenen Adeligen müssen bei Laune und klein gehalten werden, und beim Erbrecht muss man aufpassen, dass das hart erkämpfte Reich am Ende nicht aufgesplittet wird (ist etwa Karl dem Großen passiert).

Krieg gibt es natürlich auch hier, wenn auch deutlich anders, als man es als Zocker vielleicht gewohnt ist.
Zum einen kann man nicht einfach grundlos Krieg erklären: Wenn man Ländereien erobern möchte, braucht man auch einen Anspruch darauf. Dieser ist im Idealfall vererbt worden, lässt sich aber mit etwas Glück auch fingieren.
Zum anderen verlaufen Schlachten vollautomatisch. Planung ist aber dennoch wichtig bei der Zusammenstellung des Heeres: Söldner sind auf Dauer teuer, mit Burgherren und Bürgermeistern muss man ein gutes Verhältnis haben, und beim Bischof muss man zusätzlich beliebter sein als der Papst. Auch die Wahl des Heerführers und die Zusammenstellung der Flanken kann das Zünglein an der Waage sein.

CKII hat eine etwas anspruchsvolle Lernkurve (weswegen ich empfehle, als kleiner Herzog anzufangen), ist aber sehr lohnend. Die interessanten Machtkämpfe haben ihren ganz eigenen Reiz und sind ungemein fesselnd.


Grafik

Grafisch gesehen ist das Spiel etwas bescheiden: Meist starrt man stundenlang auf das gleiche Fleckchen Europas, und die Armeen sehen auch nicht unbedingt episch aus. Wenigstens die Bilder des Ladebildschirms und der Ereignisse sind schick.

Grafik ist bei diesem Spiel aber nicht wichtig, sondern die Übersicht - und hier gibt es eine ganze Reihe nützlicher Fenster und Filter.

Sound

Sprachausgabe gibt es keine, etwaige Geräusche sind auch eher selten - dafür ist der Soundtrack ziemlich gut und sehr stimmungsvoll

Sword of Islam

Diese erste große Erweiterung vergrößert die Karte um einige Länder an der West- und Ostküste Afrikas und erlaubt das Spielen als muslimischer Charakter - inklusive netter Features wie Dekadenz und Polygamie.

Legacy of Rome

Diese Erweiterung bringt neue Features für das Byzantinische Reich und die Orthodoxe Kirche. Neben lustiger Bestrafungen - Blenden und Kastrieren - kann man unter anderem Versuchen, dass Römische Reich wiederaufleben zu lassen.
Zusätzlich kann man dank dieser Erweiterung nun ein stehendes Heer unterhalten, um sich durch viel Geld unabhängiger von Wehrpflichtigen zu machen.

Sunset Invasion

Osteuropäische Länder haben im Laufe des Spiels historisch bedingte Probleme mit den Mongolen. Damit Westeuropa auch seinen Spaß hat gibt es - eine fiktive Invasion von Azteken O_o ?!

Ähm, ja, zugegeben, eine etwas seltsame Idee. Aber wem's gefällt...

The Republic

Wer eine Abneigung gegen blaublütige Tyrannen hat, kann mit dieser Erweiterung die Kontrolle eines Handelshauses übernehmen und dem Kapitalismus fröhnen, während sich der Adel die Köpfe einschlägt. Wunderbar

The Old Gods

Dieses neuste Erweiterung erlaubt es, das Spiel schon im Jahre 867 zu beginnen - das sind rund ein Drittel mehr Spielzeit!
Passend zum Namen kann man in diesem früheren Mittelalter als heidnischer Nordmann und vor-islamischer Perser sein Glück versuchen. Auch als deutlich später auftauchender Mongole kann man nun starten.

Sons of Abraham

Wie der Name vermuten lässt, steht dieses DLC ganz im Zeichen der drei Abrahamischen Religionen. Christentum und Islam werden ausgebaut (z.B. in Bezug auf Papstwahlen und generelle Interaktionsmöglichkeiten mit dem Papst). Das Judentum taucht nun auch auf, etwa in Form von Geldverleihern oder jüdischen Herrschern. Ähnlich wie man als byzanthinischer Herrscher versuchen kann, das Römische Reich wiederaufleben zu lassen und die christlichen Kirchen zu vereinen, kann man als jüdischer Herrscher versuchen, dass Königreich Israel zu gründen.

Rajas of India

Der indische Subkontinent wurde bereits in einem Patch mitgeliefert, aber dieses DLC ist nötig, um in die Rolle eines indischen Herrschers zu schlüpfen und die nun extrem erweiterte Karte voll ausnutzen zu können - Kriegselefanten inklusive.

Charlemagne

Dieses DLC setzt den frühesten Startpunkt noch früher als The Old Gods, nämlich im Jahre 769, der Zeit Karl des Großen. Hier spielen sich viele europäische Regionen merklich anders, da dort noch Clans und Stammesverbände vorherrschen - mit so lustigen Features wie Konkubinen, Raubzügen und der Versammlung befreundeter Clans.

Ways of Life

Quasi die "Game of Thrones"-Erweiterung. Hier geht es voll und ganz um neue Interaktionsmöglichkeiten und eine bessere Kontrolle über die Entwicklung seines Herrschers. Will man ein weiser Gelehrter werden, ein sich duellierender Kriegsherr, oder doch lieber ein Intrigant, der sich schonmal auf der gesellschaftlichen Leiter hochschläft?

Sonstige DLC

Passend zu den obigen größeren DLCs/Erweiterungen gibt es eine Reihe kosmetischer DLCs in Form von kulturell angepassten Portraits (sehr schick), Einheitenmodelle (jetzt nicht unbedingt wichtig) und Hintergrundmusik (SEHR praktisch weil, wie gesagt, der Soundtrack ist klasse).

Ebenfalls erwähnenswert ist ein Wappen-Pack sowie der Ruler Designer. Mit dem kann man seinen Startcharakter selbst generieren - was auch bei einem Generations-Gameplay wie hier praktisch ist, da der Nachwuchs selbstverständlich Eigenschaften der Eltern erbt.

Fazit

Wer herausfordernde Mittelalter-Strategie mit Tiefgang haben will, ist hier an der richtigen Stelle. Hat man sich erst einmal eingespielt (was wie bereits erwähnt wesentlich schneller passiert, wenn man klein anfängt), erwartet einen ein unglaublich motivierendes Spiel mit viel Content und Möglichkeiten. Da bekommt man noch was für sein Geld !

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Geändert von Doresh (01.01.2015 um 18:54 Uhr)
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Alt 01.01.2015, 18:55
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So, nach 4 neuen DLCs wollte ich die nochmal hier im Review erwähnen
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  #3 (permalink)  
Alt 02.01.2015, 13:19
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Manaheld
 
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Hast du auch schon diese Game of Thrones-Mod probiert?
Interesse hab ich ja schon.
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  #4 (permalink)  
Alt 02.01.2015, 13:33
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Leider nicht. Hab bisher soviel Spaß mit dem normalen Spiel, dass mir Mods noch nicht in den Sinn gekommen sind
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