Story:
Ein Atomtransporter beladen mit zwei Nuklearraketen ist ausser Kontrolle geraten! Der Autopilot lenkt ihn durch bewohnte Gebiete und jeder Kontakt würde unweigerlich zur Explosion führen. Wegen der radioaktiven Strahlung ist auch manuelles Eingreifen nicht möglich, also bleibt für's erste nur eine Wahl: Alles niederreissen was dem Transporter im Weg steht bis die 6 Wissenschaftler (mehr gibt es auf der Welt ja nicht) gefunden wurden, um einen Plan zu entwickeln den Transporter aufzuhalten. Man wendet sich an die Abrissfirma Blast Corps...
Gameplay:
Und genau so dämlich wie sich das Spiel anhört ist es auch (im positivem Sinne). Man steigt hinter das Steuer von Bulldozern, Buggies, mit Raketenwerfern bestückten Motorrädern, diversen Robotern und vielem mehr um alles platt zu machen, was dem Transporter im Weg steht. In jedem Level stehen hierbei eine bestimmte Anzahl an Vehikeln bereit, die je nach Situation angebrachter sind als andere. Oft steigt man mehrfach innerhalb eines Levels in verschiedene Vehikel um.
Die Steuerung der Vehikel funktioniert ganz gut, brauchen aber teilweise recht viel Übung. Anfangs ist der Truck, mit dem man Heck-voran in Gebäude rutschen muss sehr schwer zu handhaben, aber auch das legt sich irgendwann.
Spätere Levels erfordern allerdings mehr als nur stupides Zerlegen von Hindernissen, man muss zudem Steine in passende Schlaglöcher schieben oder mithilfe von (selbst bedienbaren) Kränen, Zügen und Schiffen Fahrzeuge oder TNT-Kisten bewegen oder Wegen bauen. So muss man beispielsweise mit einem Jetpack-bestücktem Roboter über einen Berg fliegen, in einen Zug steigen und durch einen Tunnel fahren, den Zug dann so parken, dass der Transporter über die Laderampe fahren kann und schliesslich mit dem sich auf der Laderampe befindlichem Sportwagen zurück über den Berg fahren um wieder zum Roboter zu gelangen.
Räumt man den Weg frei bekommt man eine Goldmedaille und erhält Zugriff zu neuen Levels. Doch halt! In jedem Level gibt es noch eine zweite Medaille, wenn man es komplett abarbeitet. Dazu gehört das Zerstören sämtlicher Gebäude (was dem Sinn des Spiels die Welt vor der Zerstörung durch Atomraketen zu retten irgendwie redundant macht), alle Überlebenden zu retten (was beim Zerstören aller Gebäude ganz von alleine passiert) und das Aktivieren von 100 RDUs, Leuchtpunkte die über dem Level verteilt sind. Hat man dies geschafft ist das Level leer und bleibt auch recht lange so, weshalb man sie in der frühen Phase des Spiels nicht einfach wiederholen kann.
Neben diesen normalen Levels gibt es auch eine Vielzahl von Bonuslevels, in denen man innerhalb eines Zeitlimits Gebäude/Gegenstände zerstört, Zeitrennen auf mehr oder weniger komplexen Rundkursen bestreitet (mithilfe von Rennwagen, die man innerhalb der Levels finden und freischalten kann, inklusive dem A-Team Van!) oder eine Blast Corps Version von Pacman spielt. Abwechslung ist geboten.
Leitmotiv der Story ist eine Variation von "Jetzt kann sich das Blast Corps Team ihren wohlverdienten Urlaub nehmen. ABER...". Sobald man glaubt das Spiel beendet zu haben geht es weiter. Hat man sich durch alle Storywendungen dieser epochalen Story durchgeackert und alle Goldmedaillen gesammelt beginnt der Time Attack Modus. Jetzt kann man alle regulären Levels erneut spielen und durch eine Bestzeit erneut Medaillen sammeln. Hat man auch hier alle goldenen Auszeichnungen erspielt schaltet man die Platin-Zeiten aller Levels frei. Kranke Zeiten, die einen bis an seine Grenzen bringen. Ich habe sie nicht alle und dafür muss man sich wirklich nicht schämen.
Leider kann man auf dem Spiel nur einen Spielstand abspeichern. Nur mit einem Controller Pak kann man bis zu vier Profile erstellen.
Grafik:
Typische N64-Grafik, nicht schlecht aber auch nicht beeindruckend. Die Explosionen sehen ganz nett aus, allerdings kommt es hin und wieder zu Slowdowns, wenn zuviel passiert.
Die Animation der Fahrzeuge ist akzeptabel, allerdings wirken sie manchmal wie Matchbox-Autos, wenn sie nach einem Sprung auf dem Boden aufschlagen. Sieht zwar unschön aus, aber stört auch nicht wirklich, das Spiel ist ja durch und durch ein Arcade-Spiel (und wer sich jetzt erschreckt, weil er eine Simulation mit korrekter Physik erwartet hat deinstalliert bitte sämtliche Internet-Browser und kappt seine Internetverbindung). Ebenfalls unschön ist der Block-Aufbau er Gebäude. Reisst man ein Haus nur halb ab wirkt der noch stehende Teil wie mit einem grossen Messer perfekt abgetrennt.
Der einzig wirklich störende Punkt sind die Texturen. Wenn man zum Beispiel über den oben erwähnten Berg fliegt, fliegt man praktisch gesehen nur über eine gleich aussehende grün-braune Textur, Orientierungsprobleme inbegriffen. Auch die hypnotische Animation des Wassers ist eher schlecht als Recht. Etwas mehr Abwechslung als Orientierungshilfe wäre nett gewesen.
Sound:
Der Soundtrack des Spiels ist herrlich inkonsequent. Mal ist die Musik actiongeladen und rockig, als würde sich das Spiel tatsächlich ernst nehmen, mal wunderbar albern und dermassen stimmungstötend, dass es eine ganz neue, fast schon bessere Stimmung erzeugt. Von mir gibt es zwei Daumen hoch und zwei Ohren auf.
Fazit:
Muss man Blast Corps gespielt haben? Nicht unbedingt.
Sollte man es kaufen, wenn man es für wenig Geld auf dem Flohmarkt findet? Definitiv!
Blast Corps ist ein einzigartiger Nischentitel, für den sich bis heute viele Gamer einen Nachfolger wünschen. Es ist einfach dermassen trashig und stupide, dass man es selbst anspielen muss, um seinem Charme zu erliegen. Kein Screenshot, Video oder Review kann überzeugend darstellen wie lange einen dieses Spiel fesseln kann. Man kann als Fan nur hoffen, dass diesem Spiel eine Chance gegeben wird, alles andere wäre Grössenwahn. Also probiert es ruhig, ich bürge für den Spielspass!
Zuletzt bearbeitet: