Rennsteigripper
Held
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Das 15-jährige Waisenkind Jennifer Simpson wird mit 3 ihrer Freundinnen von einer edelen Frau namens Mary Barrows adoptiert.
Nur wenige Minuten nach ihrer Ankunft in ihrem neuen Heim - ein Herrenhaus mitten im Wald, natürlich abseits jeglicher Zivilisation - verliert Jennifer ihre Freundinnen und Mary aus den Augen und muss feststellen, das sich in dem Haus ein Wahnsinniger mit einer Riesenschere rumtreibt...
Atmosphäre/Inhalt
Mit diesem Setting ist schonmal das perfekte Szenario im Prinzip eines klassischen Slasherfilms, wie z.B. "Freitag der 13.", gegeben.
Denn von dem Zeitpunkt an befindet sich Jennifer immer auf der Flucht - hauptsächlich vor Bobby (dem Psychopathen mit der Riesenschere), aber gibts es auch noch so ein paar andere Dinge, die ihr das Leben nehmen wollen.
Hierbei hat Jennifer nahezu keine Möglichkeit, sich zu wehren, sondern muss hauptsächlich auf das Mittel "Flucht und Verstecken" zurückgreifen.
Aber gerade das macht den Reiz des Spieles so aus - zum einem weis man nie (zumindest in den ersten 2-3 Spieldurchläufen), was einen erwartet, wo Gefahr lauert - aber zum anderen möchte man unbedingt das Rätsel hinter dem Wahnsinn erforschen und sucht hektisch nach Hinweisen und Gegenständen. Gerade dieser Mix aus Neugier und Angst macht die ganze Situation so gefährlich.
Man sollte darauf gefasst sein, wenn man das Spiel zum ersten mal spielt, verdammt oft die Worte "Dead End" (Also das den "Game Over"-Screen) zu lesen, da man den Killer immer wieder in irgendwelche Fallen läuft (und dieser sich teils sogar verhältnissmäßig 'intelligent' für damalige Videospielgegner verhält.)
Ein Minuspunkt im Thema Atmosphäre ist aber definitiv die Farblosigkeit der Charaktere (etwa 10 Chars kommen im ganzen Spiel vor). Keinen der Charaktere lernt man richtig kennen, da man ja sofort in die Situation mit dem Killer geworfen wird und man die meisten Charaktere erst wieder trifft, wenn diese schon im Sterben liegen.
Auch so gibt es in dem ganzen Spiel nur wenige Dialoge oder Notizen, um den Akteuren genug Feinschliff zu geben (Aber für die Story an sich und deren Hintergründe reicht der textliche Teil vom Spiel allemal)
Grafik
Auch ein wichtiger Beitrag zur Atmosphäre ist der grafische Auftritt - Alle Areale des Hauses gehen flüssig ineinander über (Das ganze Spiel findet im Herrenhaus statt - und sobald man eine Möglichkeit hat, aus diesem zu entkommen, kommt ein Ending - dazu aber später mehr...).
Die einzelnen Räume sind sehr detailverliebt dargestellt und bieten immer ein paar Kleinigkeiten, die es sich anzuschauen lohnt (von den ca. 30 Räumen ist keiner wirklich 'nutzlos' für das Spiel)
Im Gegensatz dazu stehen aber die Flure, welche immer recht karg und belanglos aussehen - und normalerweise gibt es dort sowieso nichts zu entdecken.
Insgesamt hat man sich hier sehr bemüht, die Grafik so "real" wie möglich aussehen zu lassen - was man dann noch besonders an den Charaktermodellen und deren Bewegungen erkennen kann.
Hervorzuheben sind auch noch die "Standbilder", die in bestimmten Szenen eingeblendet werden (Beispiel siehe oben) - diese verleihen dem Spiel noch weiteren realen Flair, da es sich hier (so vermute ich es zumindest mal), ja auch um 'echte' (bzw eingescannte?) Bilder handelt - über normale Pixelarbeit würde man nicht Bilder mit solcher Qualität auf dem sNES hinkriegen.
Ein weiterer Grafikmangel sind die sehr statisch wirkenden Charakterbilder. Wenn ein Dialog von statten geht, wird unten Links das Porträt des Sprechenden eingeblendet - sonst wird dieses Bild als "Statusbild" für Jennifer benutzt.
Jennifers Bild ist auch das einzige, was wirkliche Emotionen ausstrahlen kann - von 'normal' über 'erschöpft' (wenn man zu lang rennt) bis hin zu 'geschockt' und 'starr' (Zoom auf eines ihrer Augen!) - alle anderen Chars haben nur ein Bild, welches relativ starr in der Box ist und wo nur der Mund animiert wird.
Die ganzen Animationen sind soweit auch sehr flüssig und passen gut ins Bild - einzig und allein, wenn man Bobbys Schere zum Opfer fällt, sieht es etwas dumm aus, da die beiden Sprites (Jennifer und Bobby) einfach nur auf verschiedenen Ebenen dargestellt werden und er dadurch 'in die Luft' schneidet/sticht - aber das ist kein Beinbruch, denn bei der direkten Konfrontation, dem "Struggeling", wird wiederrum alles richtig dargestellt und sieht auch gut bzw real aus.
Gameplay
Dieses Spiel spielt sich sehr... anders. Am ehesten lässt es sich mit einem Point&Click-Adventure vergleichen, in dem Quick-Time-Events vorkommen.
Das erwähnte "Struggeling" läuft so ab, das wenn Jennifer in bestimmte gefährliche Situation kommt (z.B. in einer Sackgasse und Bobby ist ihr auf den Fersen), das Statusfenster anfängt zu blinken - und ab da gilt es, wie verrückt den -Knopf zu triggern, um die Oberhand zu gewinnen (Jen wirft dann Bob um, und verschafft sich so einen kurzen Moment, wieder zu flüchten)
Leider (oder logischerweise?) kann Jennifer nicht mehr gegen ihn kämpfen, wenn sie zu geschockt oder von der Rennerei erschöpft ist - das wird einfach dargestellt, indem sich die Hintergrundfarbe ihres Portraits von "blau" (alles in Ordnung) bis hin zu "rot" (keine Hoffnung) verändert - ein simples Prinzip, was die Darstellung das Spieles nicht sinnlos mit einer zusätzlichen Health-Leiste verschandelt.
Die restliche Steuerung ist leider etwas hakelig und man braucht ein paar Minuten, um reinzukommen...
Das Hauptwerkzeug des Spiels ist ein Cursor, den man mit den Richtungstasten bewegt - wenn er über etwas 'Interessantes' gefahren wird (Ein wichtiges Item oder ein Hinweis), verwandelt er sich in ein Viereck - ausserdem bleibt der Cursor dann dort ein bisschen "kleben" bzw wird hingezogen, wenn er in der Nähe ist.
Zum einem praktisch, das man so nicht wild den ganzen Raum abklicken muss, zum anderen aber nervig, wenn 2 'wichtige Punkte' sehr nahe beieinander liegen...
[Y] ist der Multifunktionsknopf, der Jen befiehlt, in die Richtung zu gehen, oder sich bestimmte Sachen anzugucken bzw zu benutzen - anders als in einem klassischen Point&Click-Adventure muss man nicht erst einen Befehl aussuchen, was sie nun zu tun hat, sondern sie schaltet so automatisch Schalter an/aus, redet mit anderen Charaktern, untersucht etwas oder sammelt direkt das Item auf.
Wenn man [A] gedrückt hält, verändert sich das Dialog-Menü (neben dem Porträt) in ein Item-Wähl-Menü, in dem man die gesammelten Gegenstände anwählen kann (diese liegen dann auf dem Cursor und müssen in der Umgebung eingesetzt werden) - simpel, aber ausreichend (zumal es im ganzen Spiel eh nur etwa 15 Items zum sammeln und benutzen gibt, da braucht man keine großen Spezialmenüs)
Mit [X] lässt man Jennifer sofort stoppen, während man mit [L]&[R] sie sofort in die entsprechende Richtung rennen lassen kann - und das sind schon alle Steuerungsmöglichkeiten, die man hat.
Leider scrollt der Bildschirm immer erst weiter, wenn man am Rand angelangt ist - klar bringt das irgendwo Spannung, das man Angst hat, in irgendwas reinzurennen (Oh, und das passiert einem definitiv!), aber zum anderen ist das sehr unübersichtlich, wenn man noch nicht mal einen Schritt vorrausschauen kann und man somit mehr als einmal an einer Tür vorbeirennt, in die man eigentlich wollte (Denn dummerweise reagiert Jen immer erst etwas später, wenn man sie aus dem Renne stoppen will - ist zwar irgendwo logisch, das man aus dem rEnnen nicht sofort stehenbleiben kann, aber so spielt sich das alles sehr starr - und irgendwann ist man sichtlich davon genervt, wenn man vor einer Tür hin und herrennt, bis man endlich mal den Cursor dazu bringt, die Tür anzuwählen...
[BREAK=Seite 2]
Sound
Auch der Sound kann für manchen Spieler ein 2-schneidiges Schwert sein. Zum einem hört man über einen großen Teil des Spieles nicht ausser seiner eigenen Schritte, so das die Stille schon fast erdrückend wirkt und was einem die Paranoia nur noch weiter vorrantreibt. Dies kann aber auch für manche Spieler sehr langweilig und nervig sein, wenn man minutenlang nur im gleichen Takt die eigenen Schritte hört...
Aber um so einen stärkeren Effekt haben dann die Schockmomente, wenn man dann einen Frauenschrei hört, irgend ein Elektrogerät auf einmal losgeht, oder dann auf einmal das Theme eingespielt wird, das den Killer ankündigt...
(Welches übrigens sehr gut an die 80er-Jahre Horrorfilm Soundtracks angelehnt ist)
An und für sich ist der Soundtrack aber sehr wiederholend - es wird zu oft die gleiche Melodie benutzt und immer mal kurz variiert, aber im Normalfall hat man die Musik nach der Hälfte des Spieles tief im Kopf verankert...
Umfang
Hier hat Clock Tower für ein Spiel der damaligen Zeit richtig, richtig dick aufgefahren. Insgesamt gibt es 9 (!) Endings zu erkunden, je nachdem, wie man sich im Spiel verhält - welche bzw wieviele von Jennifers Freundinnen den Morgen nicht mehr erleben (Nach dem 2. Durchspielen weis man normalerweise, wo bzw wie welche Morde getriggert werden und kann die so dann gezielt umgehen) - oder ob man z.B. noch das ein oder andere Persönliche über die Hausherren und Jennifer rausfindet...
Des weiteren varriiert das Spiel ganz gerne damit, bestimmte Events zu triggern bzw. anders oder gar nicht zu aktivieren (Ja, ich hab mich jetzt beim letzten durchspielen auch noch 1-2 mal erschrocken, weil ich was noch nicht kannte, obwohl das mittlerweile mein 5-6er Durchlauf gewesen sein müsste)
Auch die Fundorte der Schlüsselgestände varriiert von Spiel zu Spiel ein bisschen - und nicht nur das, auch bestimmte Räume können ihre Position mit jedem neuen Spiel verändert haben!
Somit sind definitiv genug Variationsmöglichkeiten gegeben, das man das Spiel 2-3 mal durchspielen kann, man aber immer mal etwas neues erlebt.
Für den ersten Durchlauf würde ich schätzen, das man 3-5 Stunden braucht - einfach, weil man da noch nicht weis, was man alles fürGegenstände braucht und wo man diese in etwa findet. Ausserdem wird wahrscheinlich man beim ersten mal verdammt oft sterben... (Was einem durchaus die Motivation nehmen kann)
Für jeden weiteren Durchlauf braucht man dann meist schon weniger als 2 Stunden (Ausgenommen die wirklich "billigen" [und auch für Jen am Schlechtesten] Endings) - eine faire Spielzeit also, wenn man mehrere Endings freispielen will - nur wird man es kaum schaffen, alle Endings ohne ein Walktrough freizuschalten...
Bewertung/Hintergrund
Ganz klar - ich liebe dieses Spiel - und ist definitiv eins meiner Top-3-Horror Games - mal abgesehen von der merkwürdigen Steuerung bringt dieses Spiel genau das, was ich von einem Horror-Titel erwarte: Hilflosigkeit, ständiges Angstgefühl, ein bisschen überzogene Gewalt - aber vor allen Dingen geht es in die Psyche. (Naja, zumindest alles beim ersten Durchspielen^^) - es ist einfach enttäuschend, das die meisten sogenannten "Horrorspiele" der letzten Jahre dem Spieler viel zuviel Möglichkeiten geben, sich zu wehren, gegen das böse zu kämpfen - ein guter, psychologischer Horror braucht das nicht!
Aber noch ein bisschen Chronologie:
2 Jahre (Also 1997), nachdem dieser Teil auf dem SNES erschienen ist, wurde er für die PS1 geremaked - eigentlich war das nur ein Port mit ein paar wenigen zusätzlichen Szenen und Standbildern - auch dieser Port blieb nur in Japan.
1996 erschien aber schon die direkte Fortsetzung "Clock Tower 2" (PS1), welche bis nach Nordamerika kam und dort nur "Clock Tower" hieß (klar, den ersten Teils gabs ja da nicht... aber wir kennen ja diese Namensänderungsgeschichten zu genüge
1998 erschiend dann für die PS1 noch "Clock Tower: Struggle Within", welches eigentlich nur ein Spinoff ohne Storybezüge zu den ersten 2 Teilen hatte.
1999 wurde Human Entertainment, die bis dahin Clock Tower produziert haben von Capcom gekauft
2003 erschien von Capcom schließlich Clock Tower 3 - welches dann weitaus mehr Fantasy-Anteile hatte und der erste Teil der Serie ohne Multiple Endings war
2005 erschien unter Capcom dann Haunting Ground, was alle Schlüsselelemente von Clock Tower (Junges Mädchen flieht vor Serienkillern und muss sich verstecken + Multiple Endings) wieder aufnahm und weiterentwickelte - ist natürlich die Frage, inwiefern das Spiel vllt. als ein "Clock Tower"-Spiel geplant war
Seit einigen Jahren scheinbar befindet sich ein Clock Tower Film in Produktion, welcher eigentlich für dieses Jahr angekündigt wurde, aber noch nicht viel reden von sich hat machen lassen...
(Nur soviel: Uwe Boll ist NICHT daran beteiligt...)
(hoffentlich...)
Und seit ziemlich genau einem Jahr wird von einer Fangruppe an einem hochwertigen Remake für Clock Tower 1 garbeitet - ein Projekt, welches auf den Namen "Remothered" hört:
http://www.facebook.com/pages/Remothered/55792551603?v=info#!/pages/Remothered/55792551603?v=info
(Unter anderem haben die ein paar richtig gute Wallpapers...)
Zum Schluss gilt noch zu sagen, das Clock Tower auf jeden Fall für diejenigen ein Blick wert ist, welche Intresse an ner richtig guten Atmosphäre, überzeugender Grafik und einem guten Grusel haben.
(Und keinen Skrupel vor einer etwas merkwürdigen Steuerung)
Und ausserdem ist das Spiel Pflicht für Jeden, der meint, ein Horrorspielfan zu sein, da es so ein "grausames" Spiel nicht noch einmal auf dem SNES gab!
Clock Tower: The First Fear - Das etwas andere Point&Click-Adventure...
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