Haben die Leute zu viel Zeit?

Artemis

Ehrenuser
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Tenwo schrieb:
Leute, die zu viel Zeit haben, sonst würden sie sich nicht damit beschäftigen. Zeit, die sie eigentlich für bessere Dinge nutzen könnten.
Dies ist ein Zitat aus dem Topic zum Royal Baby. Aber ich stelle die Frage mal allgemeiner in den Raum. Heute hat mich eine Nachbarin extra darauf angesprochen, wie toll ich die Gartenarbeit doch mache, als ich eine Pflanze mit einem Stock fixiert habe, damit sie nicht umknickt - so, als ob es etwas wirklich ganz toll Besonderes wäre.

Kommt es euch auch so vor, als ob viele oder zumindest einige Menschen in eurer Umgebung nichts so recht mit ihrer Zeit anzufangen wissen? Und dass manche Menschen sich viel zu sehr auf irgendwelche Dinge fixieren, die eigentlich total belanglos sind? Oder für sie selber eigentlich total belanglos sein sollten - wie die ganzen Promi-Hochzeiten etc.
 

Tenwo

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Ich versteh' das mit der Gartenarbeit nicht so ganz. Meinst Du, sie hat ihre Zeit damit vergeudet, indem sie dir sagte, dass Du deine Arbeit gut machst? Empfindest Du deine Gartenarbeit selbst als Zeitverschwendung?
 
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Artemis

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Ehrenuser
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Der Punkt dabei ist, dass es für sie eben wirklich etwas ganz Besonderes und Großartiges war. Ich sehe darin eben einfach nicht dieses Spezielle. Ich meine, ich geh ja auch nicht daher und sag meinen Nachbarn, wie toll sie gerade den Rasen gemäht oder die Hecke geschnitten haben. Und ja, das meine ich, dass Zeit vergeudet wird für Dinge, die eigentlich viel zu belanglos und trivial sind, als dass man ihnen zu viel Bedeutung zukommen lassen sollte.
 
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Rise_Against

Schwarzmaler
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Es könnte auch Menschen geben die der Meinung sind das deine vielen Stunden mit Lufia reine Zeitverschwendung sind... Soll sich halt jeder seine Prioritäten im Leben selbst aussuchen, wenn mein Nachbar 8 Stunden am Tag mit Modellflugzeugen verbringt ist es seine Sache. Vielleicht wollte deine Nachbarin auch einfach nur nett sein?
 

Tenwo

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Vielleicht wollte deine Nachbarin auch einfach nur nett sein?
Eben das hatte ich auch gedacht. Gartenarbeit und die Freude darüber sind für mich überhaupt keine Zeitverschwendung, sondern Teil eines gesunden und glücklichen Lebens.

Zum Teil stimme ich mit Rise_Against überein, wenn er sagt, dass jeder selbst sehen sollte, wofür er seine Zeit hergibt. Und hier kommt die Einschränkung:
Dabei sollte jeder feststellen, ob ihm das auch gut tut. Und ich bezweifle ernsthaft, ob diese ganze Promiberichterstattung einem wirklich gut tut, also jeden Mist aus Bunte und Exklusiv mitzunehmen. Es gibt doch tatsächlich jede Menge Fans von Paris Hilton. Da kann mir doch keiner erzählen, dass die Frau richtig im Kopf ist. Und dann wird sie auch noch bewundert von Menschen, die nicht geblickt haben, dass es einem überhaupt nichts nützt sich immer an anderen zu orientieren und schon gar nicht an zweifelhaften Personen wie Reinkarnationen von Marie Antoinette.

Ewig vor'm Bildschirm zu hocken und Videospiele zu zocken (wir fangen jetzt an zu rappen...) ist meiner Meinung nach auch Zeitverschwendung. Klar hat man mal Phasen, in denen man gefühlt ein bis zwei Tage durchzockt, oder über zwei Wochen sich damit jeden Nachmittag um die Ohren haut, aber dann sollte auch mal wieder Platz für anderes sein: Familie, Freunde, Gesundheit, Bewegung, was auch immer.
Dabei gibt es ja auch viele tiefgründige Videospiele, die den Horizent noch ein wenig erweitern. "Neue Woche" tut das sicher nicht. :ne:
 
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Artemis

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Ehrenuser
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Natürlich hat ein jeder andere Hobbys und Interessen. Worauf ich hinaus will, ist nicht, ob man jetzt zum Beispiel Gartenarbeit mögen muss oder nicht, sondern ob viele Menschen wirklich zu sehr darauf fixiert sind, was die anderen machen und denken, und ihr Leben viel zu sehr davon abhängig machen - sei es bei Promiklatsch aber auch im Alltag.
 

Ashura

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Ich denke, dass ich nicht zuviel Zeit hab, eher zu wenig...aber jeder empfindet halt was anderes als "etwas Besonderes".

Für mich ist das halt ne besonders zutrauliche Nachbarskatze, die sich von mir streicheln lässt, für deine Nachbarin die Art, wie du deine Gartenarbeit machst.
 

Tenwo

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ob viele Menschen wirklich zu sehr darauf fixiert sind, was die anderen machen und denken, und ihr Leben viel zu sehr davon abhängig machen - sei es bei Promiklatsch aber auch im Alltag.
Eine sehr eindeutige Antwort: Ja!

Das mögen vielleicht Kinder und Teenies machen. Da ist das auch noch recht sinnvoll, weil sie sich erst finden müssen, aber Erwachsene? Geht raus in den Garten wie Artemis! :D
 

Raven Bloodrage

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Ich denke, dass heut zu Tage die Menschen sich immer mehr an den Vorbildern orientieren, die uns die Medien vorsetzen.
Der Mensch reflektiert sich nicht mehr, hört auf zu denken, lässt sich kontrollieren.
Das ist das neue alte Gesellschaftsmodel, und es funktioniert super.
Es gibt immer einige Ausnahmen, wie sehr viele aus diesem Forum,
die sich nicht von Medialeinwirkungen lenken lassen.
Aber der Großteil fixiert sich auf das Leben, Handeln, Denken anderer und richtet sein Leben dannach aus.
DAS ist Zeitverschwendung.

Ich denke auch dass alles, was einem selber gut tut nichts mit Zeitverschwendung zu tun hat. Manchmal entfaltet sich die positive Wirkung erst später, so dass man nicht gleich merkt, dass es gut ist.

@ Artemis
Was du da mit deiner Gartenarbeit machst mag dir nicht so besonders vorkommen, aber vielleicht hast du deiner Nachbarin damit die Sonne scheinen lassen.
 
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Artemis

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Ehrenuser
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Das ist der Punkt. Sie wollte nicht einfach nur nett sein, sondern...

hast du deiner Nachbarin damit die Sonne scheinen lassen.
Es kommt mir vor, dass doch insgesamt so einige gar nicht mehr in der Lage sind, aus eigenem Antrieb die Sonne scheinen zu lassen. Darin sehe ich insofern ein Problem, als dass man dadurch eben viel zu sehr abhängig von anderen ist im Finden des eigenen Lebensglücks.
 

Raven Bloodrage

Manaheld
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Einerseits stimme ich dir zu.
Wer sich selber nicht mehr glücklich machen kann, dem fehlt ein Stück Lebensqualität.
(Nach mehrmaligem Durchlesen dieses Satzes find ich ihn immernoch anstößig...:kicher:)

Jeder ist sich seines Glückes Schmied, heißt es doch so schön...

Dennoch denke ich aber, dass viele heut zu Tage verlernen sich Glück zu bringen, da sie aufgrund der Umstände nur noch unter Strom stehen.
In dem Falle finde ich es gar nicht verkehrt, wenn sie sich ihre Glücksbringer in anderen Personen suchen. Denn immerhin können sie noch Glücksgefühle empfinden.
Ich denke für deine Nachbarin warst du ihr Alltagsheld, weil oft sind es die kleinen Dinge, die dir unbedeutsam erscheinen, für andere jedoch wie ein 6er im Lotto.

Im Großen und Ganzen finde ich Abhängigkeit von anderen nicht tragisch, solange man sich die richtigen Ziele sucht.
Der Mensch ist ein Rudeltier, somit wird er sich immer irgendwo Anhang suchen und abhängig von seinen Begleitern sein.
 

Redwolf

Folge der 8 bei den Palmen!
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Friedrich Nietzsche schrieb:
In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der »Weltgeschichte«: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mussten sterben.
Wir müssten zunächst einen Sinn in unserer Existenz finden, damit wir aufbauend darauf bemessen können, welche Tätigkeit unserer Zeit würdig ist und welche nicht.
Jemand sagte mal, dass der Mensch die einzig bekannte Kreatur ist, die sich der Sinnlosigkeit der Existenz bewusst sein kann. Die Frage ist jetzt ob man Existenz als sinnlos erachtet. Wenn ja, dann ist es egal, welches Werk man vollrichtet. Wenn nein, dann sollte man sein Schaffen nach dem gewählten Sinn ausrichten. Wenn dieser Sinn in Gartenarbeit besteht, dann sei es so. Wenn dieser Sinn darin besteht sich [als Depp] über Personen [Deppen] in RTL [Volldeppen] lustig zu machen, dann sei es so.
Ich erkenne die Sinnlosigkeit der Existenz an und verstehe gleichzeitig die Existenz als Freiraum. Eine Art Spielwiese. Dabei versuche ich diesen als stoischer Freidenker mit einer dem Utilitarismus ausgelegten Ethik und zeitweise etwas Hedonismus auszufüllen. Ein idelles Selbstbild, welches allzu oft in sich zusammenfällt ;): Kein Stoiker, weil Ragemode. Kein Freidenker, weil der Begriff schon in sich widersprüchlich. Kein Utilitarist, weil auch auf sich selbstbedacht. Kein Hedonist, weil ich nicht feiern kann, solange ich in Babylon leb.

Wie würde ich also die Frage "Was ist Zeitverschwendung?" beantworten?:

Alles und Nichts ist Zeitverschwendung, das kommt auf die eigene Auslegung an, was man als wichtig erachtet. Einen Pulli zu Sticken, obwohl man eine Strickmaschine hat, mag auf den ersten Blick als Zeitverschwendung erscheinen. Wenn das Stricken einen aber Freude bereitet, sollte man vielleicht zur Stricknadel, statt zur Stickmaschine greifen. Jemand anderes mag dieses Verhalten sinnlos, weil ineffektiv erachten. Es geht einem selbst aber nicht um das Produkt des Strickens, sondern um den Prozess des Stricken selbst.

Raven Bloodrage schrieb:
Der Mensch ist ein Rudeltier, somit wird er sich immer irgendwo Anhang suchen und abhängig von seinen Begleitern sein.
Diese grundlegende Erkenntnis bzw. grundlegende Erkenntnis über die eigene Natur finde ich persönlich Hilfreich: Die Evolution hat es durch myridiaden Experimente etwas wie den Menschen hervorzubringen, hört dabei nicht auf und vollzieht eine nicht absehbar endende Kontinuität die Leben hervorbringt. Oft auf dem Holzweg, oft mit mehr Makeln als es guttut, aber immer auf Erhalt seiner selbst bedacht. Zumindest, wenn man Leben an sich zu einer Lebensform erhebt. Wer noch etwas Zeit zu verschwenden hat, sollte mal im Wikipediaartikel zu Mensch schmökern. Da gibt es so spannende Erkenntnisse wie, dass der Mensch eigentlich nichs anderes als eine Laufmaschine ist, die Antwort auf die Frage warum wir kein Fell mehr haben und welche Merkmale den Menschen im Gegensatz zu anderen Säugetieren besonders macht.
 
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LS

Halbgott
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Die Durchschnittliche Arbeitszeit der Menschen ist gesunken, nebenbei leben Menschen länger ohne jedoch mehr zu arbeiten. Also haben Menschen rein statistisch gesehen durchaus immer mehr Zeit/Freizeit/Lebenszeit.
Die Frage ist: Was ist zu viel Zeit? Aus dem Kontext hier würde ich erlesen, dass man davon ausgeht, dass Zeit die mit Zeitverschwendung verbracht wird zu viel ist.
Ich glaube das ist insgesamt zu subjektiv und kann nicht beantwortet werden. Jeder Mensch hat Hobbys. Hobbys an sich sind ja per se schon Tätigkeiten ohne wirklichen praktischen gesellschaftlichen Nutzen, also eigentlich Tätigkeiten die man in seiner Freizeit vollbringt um in dieser Freizeit möglichst viel Spaß oder Lebensqualität zu haben. Als Zeitverschwendung denke ich gelten Hobbys, die gesellschaftlich sehr wenig wertgeschätzt werden, da die Ausübung eines Hobbys z.B. von einer bestimmten demographischen Gruppe ausgeübt wird, mit ihm gewisse Eigenschaften verbunden werden oder es nicht gewissen Etikettestandards entspricht.
Generell denke ich werden aktive Hobbies wie Gartenarbeit, Sport höher eingeschätzt als passive wie Fernsehen oder PC Spiele, weil man damit Lebenslust, Aktivität, Vitalität assoziiert, während passive eher mit Trägheit oder Stumpfsinn assoziiert werden. Zum einen liegt das sicherlich an der Tätigkeit an sich, zum anderen aber wohlmöglich auch daran dass bestimmte niedriger gebildete Schichten eher fernsehen etc.
Prinzipiell glaube ich dass niedrig gebildete eher körperliche Arbeit ausüben, während höher gebildete eher geistige Tätigkeiten vollbringen. Daraus resultiert, dass der körperlich arbeitende vieleicht schon zu erschöpft ist, oder einfach passive Tätigkeiten vorzieht, da sie im Kontrast zu seinem Arbeitsleben stehen. Wer den ganzen Tag auf dem Bau war will am Abend vieleicht einfach nur noch da liegen und sich berieseln lassen, während der der den Tag im Büro war sich vieleicht nochmal die Beine vertreten will. So wird denk ich vieleicht auch oft Kausalität und Korrelation verwechselt, dass man denkt, zu viel fernsehen macht dumm, aber vieleicht ist es auch so, dass die die dumm sind viel fernsehen gucken.

Insgesamt würde ich aus meiner persönlichen Sicht aber nicht sagen dass die Leute zu viel Zeit haben. Jeder soll das in seiner Freizeit machen was er will. Ich denke dass sogar eher das Gegenteil der Fall ist. Oft sagen Leute sie haben für dieses und jenes keine Zeit und man muss allen Kontakt über Facebook und Internet machen weil alles immer direkt und schneller und komfortabler sein muss und ich denke auch, dass das son bisschen das ist, was die Oma da meinte, dass jeder immer alles schnell abhetzt und sich nicht mehr die Zeit nimmt sich einfach mal hinzusetzen und ganz in ruhe solche Dinge wie die Blumenkrücke zu machen. Ich denke Schnelllebigkeit ist hier das Wort.
Inzwischen muss jeder bei allem dabei sein und bei allem mitreden können und alles machen. Eigentlich ist es keine Frage von Zeit haben oder nicht, es ist einfach eine Frage von Prioritäten.
 

Poe

Manaheld
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Ich muss hier ein klares Nein abgeben. Viele Menschen haben einfach keine Zeit mehr. Ob das der Wahrheit entspricht oder nur dumme Ausreden sind sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass auf meine Frage hin, ob jemand hier und da Zeit hätte, zu 90% die Antwort kommt:"Das ist aber schlecht. Da habe ich keine Zeit." Wir haben Zeit für die Arbeit, Zeit zum Essen, ja sogar zum Zocken oder im Netz surfen. Aber haben wir überhaupt noch füreinander Zeit? Zeit kann unglaublich wertvoll sein und ist im gleichen Atemzug so schnell verloren. Manchmal kommt die Erkenntnis dann einfach zu spät. Es ist schade, dass oftmals belanglose Dinge unser Leben bestimmen und wir vergessen wofür es sich lohnt Zeit zu investieren. Manchmal wünsche ich mir, dass wir bewusst mit anderen mehr Zeit verbringen, die wir vielleicht sonst eher vernachlässigen. Jemandem ein paar Minuten seiner Zeit zu schenken kostet nichts und kann sich manchmal wirklich gut anfühlen. Aber ich merke schon, bei dem Thema werde ich wieder viel zu sentimental.
 

Ashura

Amazone und Meridian Child
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Hm, dann mach ich irgendwas falsch. Irgendwie sitze ich auch Berufswahl unabhängig viel an Problemlösungen für Freunde und Bekannte, so das wegen deren Notfällen mein Privatleben manches mal auf der Strecke bleibt, aber ich wäre auch nicht gern immer ner vollarsch,der keine Funken Mitgefühl mit anderen hat.

Andersherum isses mir auch schon passiert, dass ich deswegen als Spießer oder Weichei tituliert wurde oder Leute meine Mühe mit ihren Anliegen nicht zu schätzen wussten und mir als Dankeschön noch n mentalen Arschtritt verpasst haben,das ist die andere Seite. Aber irgendwo will ich ja wissen, warum manche Menschen am Abgrund derart hängen bleiben, insofern hat meine Neugierde da auch n Anteil dran, dass ich mich oft in Chaoszentren befinde und helfen möchte. Andere laufen vor Problemen weg, ich darauf zu.Lol.
 
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