RPG Maker Selbstfindungsphase

Poe

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#1
Hallo zusammen,

in der vergangenen Woche habe ich mich in den Gedanken verliebt mir mit der Erschaffung von kleinen selbst gebauten RPGs die Freizeit zu versüßen. Da ich in programmiertechnischer Hinsicht absolut unerfahren bin, und ebenso weniger computeraffin, haben mich diverse Tools der Anbieter neugierig und vor Allem, bei einem hoffnungslosen Fall wie mir, trotzdem Hoffnung gemacht. Dennoch fällt es mir schwer einen passenden Maker zum Einstieg zu wählen.

Wie ich bereits in Erfahrung bringen konnte gibt es den RPG Maker VX Ace Lite als kostenlosen Download vom Hersteller für blutjunge Anfänger in abgespeckter Version, die hin und wieder mal was für sich ausprobieren wollen. Könnt ihr aus eigener Erfahrung diesen Maker zur Selbstfindung empfehlen? Oder schlagt ihr eher andere legale Einstiegsmodelle vor?

Sofern mir ein Maker zusagt und mich überzeugt möchte ich diesen dann auch gerne käuflich erwerben, um alle Vorteile genießen zu können. Bis dahin wird sicherlich noch etwas an Zeit vergehen aber der Gedanke reizt mich unwahrscheinlich. In diesem Sinne freue ich mich über eure Empfehlungen, Erfahrungen, No-Gos und was immer euch dazu einfällt.
 

Thalos

Broccoli-Vernicht-0-Mat
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#2
Heyo o/

Die meisten vorgefertigten Userscripts und daher auch den einfachsten Einstieg in die RPG Maker Reihe gibt es für RPG Maker XP und VX (not the same as VX Ace). VX Ace und MV sind zwar "neuer" und vom Interface etwas userfreundlicher, jedoch sind die beiden von der Script Mechanik her nicht sehr beliebt.

Für MV und Ace findest du daher selten gute Tutorials und fertige user scripts. MV hat jedoch den Vorteil, dass du dort auch Mobile APKs exportieren kannst. Das Tool erlaubt dir also auch Spiele für dein Handy zu machen.

Was du auch bedenken musst ist, dass die meisten RPG Makers nicht miteinander kompatibel sind. Wenn du zB ein Projekt in XP anfängst, kannst du es nicht mit VX etc. weitermachen.

Die Maker Serie ist auch des öfteren in Steam Sales und Humble Bundles zu finden, wenn also mal was aufpoppt würde ich an deiner Stelle zugreifen.

Ich persönlich mag MV sehr, bin also etwas biased was Empfehlungen angeht und da du für MV auch etwas mehr elbow grease brauchen wirst, ist es more satisfying wenn du selbst ein script schreibst anstatt es irgendwoher vorgefertigt runterzusaugen.

Wenn du dich für MV entscheiden solltest, gibts hier eine recht gute youtube playlist:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLeDwqxgcpMGm40eocVtKL6owR6W8E6kyg
 

Lord_Data

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#3
Ich kann zu den Makern selber nichts sagen, aber: mach dir keine großen Hoffnungen, dass am Ende ein tolles Spiel rauskommt. Du wirst bei jedem Maker dich Schritt für Schritt herantasten müssen, was Tools & Scripts angeht. Ich glaube auch fast, es ist besser (aber aufwändiger natürlich), sich für MV selber Scripte anzueignen, als fremde Scripte zu nutzen, die dann am Ende doch nicht ganz passen.
 
OP
OP
Poe

Poe

Legende
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#4
Super und vielen Dank für eure bisherigen Erfahrungen. Dann werde ich mich mal in die Richtung weiter orientieren und nochmal hinterfragen welches Tool am besten passen könnte. Im Moment will ich noch nichts überstürzen und wenn es dann so weit ist will ich mich im Nachhinein nicht ärgern müssen.
 

Thalos

Broccoli-Vernicht-0-Mat
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#5
Was ich auf jeden Fall noch empfehlen kann ist nebenher alte SNES, NES und Gameboy Klassiker zu laden. Je mehr du dich mit den Tilesets und Scripten im RPG Maker beschäftigst desto mehre werden dir in den alten Spielen die Events und genutzten Tilesets auffallen.

Wenn du zB bock hättest, könntest du einen Klassiker wie Final Fantasy 6 komplett im RPG Maker nachbauen indem du screenshots von bestimmten Scenen machst und dann die einzelnen tiles zusammen schneidest und im maker importierst.
 

Artemis

Ehrenuser
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#6
Ne andere Sache, worauf du achten kannst - und auch solltest, wenn du denn mehr machen möchtest als ein Fun-, Troll- oder Trashgame: Die Dramaturgie.

Wirklich gute RPGs müssen auch auf dramaturgischer Ebene gut sein, und es braucht mehr als eine holzhammermäßig zusammengeknüppelte Story, die komplett nur aus mehr oder weniger zufällig zusammengewürfelten Elementen besteht. Neben vielem anderen braucht es gute dreidimensionale Figuren sowie ein starkes zugrundeliegende Grundthema der Geschichte.

Selbst z.B. Spiele wie "Die Reise ins All" oder "Wolfenhain", in die wirklich eine Menge Mannjahre Arbeit geflossen sind, fallen total flach, wenn man sie auf dramaturgischer Ebene betrachtet. Ein offensichtlicher Punkt, der sofort ins Auge sticht, ist z.B. die Tatsache, dass realTroll es nicht einmal für nötig hält, in seinen Höhepunkten eine andere Kampfmusik zu wählen. Und es die Charaktere sind alle komplett ein- oder zweidimensional - mit inneren Konflikten, die entweder komplett fehlen oder total schlecht umgesetzt sind.
 

saryakan

MEME FARMER
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#8
Wirklich gute RPGs müssen auch auf dramaturgischer Ebene gut sein, und es braucht mehr als eine holzhammermäßig zusammengeknüppelte Story, die komplett nur aus mehr oder weniger zufällig zusammengewürfelten Elementen besteht. Neben vielem anderen braucht es gute dreidimensionale Figuren sowie ein starkes zugrundeliegende Grundthema der Geschichte.
Jepp. Siehe UiD. Wie Grandy mit Musik umgeht und die Szenen aufbaut hat das ganze schon fast was von Spielfilmen. Und gerade in der übergeordneten Aktstruktur merkt man, dass er aus der P&P Szene kam. Jeder Akt stellt für sich genommen quasi sein eigenes Abenteuer mit eigenen Motiven, dramatischen Strukturen und eigener Atmosphäre dar, welche wiederum allerdings durch das zentrale Ziel Wahnfried zu besiegen zusammengebunden wird.
Natürlich kann man hier auch ein wenig Kritik anbringen und so ist z.B. gerade die Episode auf Burg Rabenstein sehr abgeschottet vom Rest des Plots und wird eigentlich nur durch den alten Spielleitertrick des "world building" in den Plot eingebunden. Dies kann ich aber gerne vergeben und übersehen, da gerade diese Episode vermutlich die besten dramaturgischen Momente hat und in sich selbst am besten aufgebaut ist.
Ebenso könnte man Bernhelms Los als einen Keil sehen, der nur unbequem in das Gewebe des Plots hineingewoben ist und für den es eigentlich keinen richtigen Platz in der Geschichte gibt. Hier lässt sich allerdings mildernd anführen, dass gerade durch diese Querstellung im Plot diese Episode den Erkundungsaspekt im Spiel enorm bereichert und die sowieso zugrundeliegende P&P ähnliche gameplay struktur nur noch erweitert.

Gott, ich könnte endlos über dieses Spiel schwadronieren.
 

Artemis

Ehrenuser
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#9
Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, wie sehr manche so genannten RPG-Top Titel bei der Dramaturgie failen - und zwar kolossal. Hab mir letztens das Remake von Dragon Quest 8 geholt - in der Hoffnung auf ein wirklich gutes Spiel. Aber die Dramaturgie ist kompletter Murks.
 

Doresh

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#10
JRPGs schreibt man nicht umsonst eine Krise zu. Zwischen Fanservice und selbstverliebten Schreiberlingen bleibt oft nicht Platz für einen vernünftigen Plot.

(Und bei Dragon Quest gibt es noch die Entschuldigung, dass man bei der Reihe ja retro blieben will oder so.)
 
OP
OP
Poe

Poe

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#12
Danke für die vielen tollen Ideen, Eindrücke und Gedanken zu dem Thema. Viele Aspekte sehe ich genauso, die einfach unabdingbar für ein gutes Spiel sind. Ich arbeite seit einiger Zeit schon an einer Story und habe mir bereits viele Gedanken zum Aufbau bzw. der Umsetzung gemacht. Die Dramaturgie wird dabei nicht zu kurz kommen, aber auch nicht zu sehr aufgeblasen sein. Eine gute Mischung ist mir da schon sehr wichtig. Bis dahin habe ich mir überlegt noch ein wenig mit dem Kauf der Software zu warten bis die ganze Sache einigermaßen spruchreif ist. Da demnächst ein großes berufliches Projekt in Berlin startet kann ich mich vermutlich erstmal nicht näher mit befassen. Aber nebenbei kann ich mir dennoch ein paar Impressionen einholen und verschiedene Softwarepakete nochmal vergleichen.


Der RPG-Maker MV sah schon ziemlich vielversprechend aus und hat mich auch gereizt, da die Bedienung als kinderleicht dargestellt wird. Inwieweit Programmierkenntnisse im Background notwendig sind kann ich aber kaum beurteilen. Ein bereits wichtiges genanntes Kriterium ist die Kompatibilität mit dem Smartphone bzw. Android, dass man sich ggf. auch von unterwegs ein bisschen die Zeit vertreiben kann. Das soll aber kein K.O.-Kriterium sein. Bis ich soweit bin wird vermutlich noch ein bisschen Zeit ins Land gehe. Aber gut Ding muss ja bekanntlich Weile haben - und ich will, dass es gut wird :)
 

Doresh

Forenpuschel
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#13
Für Programmierer verlockend ist bei MV, dass es diesmal keine versteckten Klassen gibt und man deswegen mit Skripten mehr Schabernack treiben kann.


(Auch gibt es glaub ich einen Layer mehr als in VX Ace, was auch nicht schlecht ist.)
 
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