Der Graf von Monte Christo teleportiert: War in Besters erstem Roman "Demolition" Telepathie das Hauptthema, so ist es in "Der brennende Mann" die Teleportation, genauer das "Jaunten" von einem Ort zum anderen durch Gedankenkraft. Aufgrund der Symbolik und der ungewöhnlichen Sprache und Struktur des Romans verschaffte er der Science Fiction neue Impulse. Dieser Roman erschien in Deutschland zuletzt 1983 unter dem Titel "Tiger! Tiger!".
Die Handlung: Gully Foyle wird von der Besatzung des Raumschiffs "Vorga" im All zurückgelassen. Will er nicht sterben, muss er wohl oder übel teleportieren. Er schafft es, und von unbändigem Hass getrieben, rächt er sich an der "Vorga". Er entwickelt sich zu einem Superteleporter, der unglaubliche Strecken überspringen kann, zum "Tiger", einem Killer, vor dem niemand sicher ist und den alle abstoßend finden, außer der psychotischen Olivia Presteign. Doch in Foyles Bewußtsein spielt sich ein gegenläufiger Prozess ab. Zunehmend von seinem eigenen Handeln abgestoßen, wird Foyle zum "Brennenden Mann", der an seinem physischen Ich, der rohen Gewalt, zweifelt und sie schließlich überwindet. Der äußere Supermann weist nicht den Weg zu den Sternen, die er so gerne erreichen würde. Der "Brennende Mann" wird zum Symbol für Foyles wachsende Bereitschaft zur Liebe, die den Tod des äußeren Superhelden, des Außenseiters, mit sich bringt und die Geburt wahren Superheldentums ankündigt: geistige, emotionale, moralische und selbst ästhetische Überlegenheit.
In den letzten Kapiteln verschmelzen Foyles Supersinne seine Wahrnehmungen zu völlig neuen Eindrücken, die Bester mit stilistischen Tricks den Leser nachvollziehen lässt. Diese Schlußsequenz war für viele Genre-Autoren und Leser wegweisend und hat ihm eine feste Anhängerschaft verschafft.
Fazit: Enigmatische Gestalten agieren vor einer bizarren Szenerie, und innerer und äußerer Raum treffen zusammen. Für die Verhältnisse von 1956 war diese Kombination aufsehenerregend. Dennoch ist die Handlung im Grunde altbekannt: Es handelt sich um den Plot des "Grafen von Monte Christo" von Alexandre Dumas. Lediglich die innere Dimension, die Entwicklung zu einem übermenschlichen Wesen und doch zu einem "Brennenden Mann" ist ureigenster Bester? Ein Geniestreich. Das Vorwort stammt von Altmeister Robert Silverberg. --Michael Matzer